Emporion: Klaus, bevor wir über M&A sprechen: Neben der zeitintensiven und fordernden Projektarbeit als M&A-Berater baust du privat auch noch ein Haus und eine Scheune um. Woher kommt dieses „Hobby“?
Klaus: Angefangen hat das Ganze 2018. Ursprünglich ging es darum, das Haus so umzubauen, dass meine Eltern dort später ebenerdig und komfortabel wohnen können. Daraus ist eine komplette Kernsanierung geworden, mit viel Eigenleistung und strukturellen Eingriffen. Im Verlauf kam die angrenzende Scheune als eigenes Projekt dazu, aus einer kleinen Wohnidee wurde ein deutlich größeres Vorhaben. Ich arbeite dabei viel mit wiederverwendeten Materialien wie Naturstein und Holz aus alten Gebäude, also bewusstem Upcycling. Das fordert viel Geduld.
Emporion: Kannst du denn aus deinem privaten Großprojekt auch Lerneffekte für deine Arbeit ziehen?
Klaus: Ja, schon. Auch in meinen M&A-Projekten geht es oft darum, bestehende Strukturen wirklich zu verstehen, tragfähige Substanz zu erkennen und langfristig etwas aufzubauen. Und ganz sicher brauchst du Geduld und Ausdauer.
Emporion: Aber du bist ja nicht nur passionierter Hobbyhandwerker. Du bist auch seit über 30 Jahren im Gemeinderat deiner Gemeinde. Was motiviert dich nach so langer Zeit noch?
Klaus: Gestalten zu können. Wenn du kommunalpolitisch arbeitest, denkst du nicht in Quartalen oder Wahlperioden, sondern oft in Jahrzehnten. Gerade jetzt beschäftigen wir uns viel mit Ortskernentwicklung. Rund um die Kirche entstehen neue Möglichkeiten, Grundstücke werden frei, man kann Strukturen neu denken. Das Spannende daran ist: Was du heute entscheidest, prägt einen Ort für die nächsten 50 bis 100 Jahre.
Emporion: Diese Langfristigkeit zieht sich im Grunde durch alles, was du machst. Auch die Zusammenarbeit mit Emporion dauert nun schon viele Jahre an. Wie kam das damals zustande?
Klaus: Über Kontakte aus meiner Zeit bei einer M&A-Boutique. Damals habe ich Wilco Früh kennengelernt. Nach meiner Zeit dort habe ich mich selbstständig gemacht und hatte viel mit Bewertungen, IPO-Themen, Restrukturierungen und Projektfinanzierungen zu tun. Emporion war damals noch sehr klein, eher Startup als klassische Boutique. Aber gleichzeitig gab es dort schon diesen sehr besonderen strategischen Buy-Side-M&A-Ansatz. Und irgendwann war klar: Die haben mehr Projekte als Kapazitäten, und ich bekam die Gelegenheit, an verschiedenen Stellen zu unterstützen.
Emporion: Weißt du noch, was dein erstes Projekt bei Emporion war?
Klaus: Ja, das war ein Unternehmen aus dem Pharmabereich, das Verpackungen und Blister für verschiedene Märkte umetikettiert hat. Die konnten beispielsweise Verpackungen für kleinere Länder relabeln, statt komplette Kleinserien neu zu produzieren. Das Projekt wurde am Ende zwar nicht abgeschlossen, aber ich erinnere mich noch gut daran, wie tief wir damals schon operativ eingestiegen sind.
Emporion: Du warst vorher ausschließlich auf der Sell-Side unterwegs. Wann hast du gemerkt, dass Buy-Side eigentlich viel besser zu dir passt?
Klaus: Relativ schnell. Auf der Sell-Side hast du oft dieses klassische Ex-und-Hopp-Prinzip. Du arbeitest für kurze Zeit intensiv mit einem Unternehmer zusammen, verkaufst das Unternehmen und wenn du den Kunden gerade richtig kennst, sitzt du schon beim Abschiedsessen. Buy-Side M&A für Unternehmen funktioniert anders. Dort entstehen Beziehungen über viele Jahre. Teilweise begleiten wir Kunden sechs, sieben oder noch mehr Jahre lang. Das passt einfach viel besser zu meinem Charakter.
Emporion: Was macht Buy-Side-Beratung aus deiner Sicht noch besonders?
Klaus: Die strategische Tiefe. Du musst Geschäftsmodelle wirklich verstehen. Märkte verstehen. Technologien verstehen. Du arbeitest viel stärker beziehungsorientiert. Und: Du brauchst Geduld. Viele unterschätzen das. Du kannst monatelang an einem Thema arbeiten, Targets analysieren, Anschreiben entwickeln, Gespräche vorbereiten und dann braucht es manchmal viel Kreativität, um überhaupt beim richtigen Entscheider zu landen. Es gibt Projekte, in die du über Monate investierst, die sich dann plötzlich verzögern oder vorerst auf Eis liegen. Strategien ändern sich, Ansprechpartner wechseln, Prioritäten verschieben sich. Dennoch bleibst du nah am Kunden, erkennst Chancen frühzeitig und entwickelst die Strategie kontinuierlich weiter.
Auf der Sell-Side hast du oft dieses klassische Ex-und-Hopp-Prinzip. Du arbeitest für kurze Zeit intensiv mit einem Unternehmer zusammen, verkaufst das Unternehmen und wenn du den Kunden gerade richtig kennst, sitzt du schon beim Abschiedsessen. Buy-Side M&A für Unternehmen funktioniert anders. Dort entstehen Beziehungen über viele Jahre. Teilweise begleiten wir Kunden sechs, sieben oder noch mehr Jahre lang. Das passt einfach viel besser zu meinem Charakter.
Emporion: Gab es Projekte oder Situationen, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?
Klaus: Oh ja. Bei einem Unternehmensbesuch liefen wir mit dem Verkäufer durch sein Lager und auf den Etiketten standen Hersteller, die seit zehn Jahren nicht mehr existierten. Die Ware lag dort also schon ein Weilchen auf Lager. Da wird man schon mal etwas aufmerksamer. Oder ein südeuropäisches Unternehmen, bei dem wir im Rahmen der Due Diligence auf sehr ungewöhnliche internationale Zahlungs- und Steuerstrukturen gestoßen sind. Solche Themen sind natürlich, sagen wir mal, speziell.
Emporion: Was hat sich aus deiner Sicht im Buy-Side-Markt verändert?
Klaus: Die Professionalität auf Käuferseite nimmt deutlich zu. Früher haben viele Mittelständler M&A „nebenbei“ gemacht. Heute merken viele: Dafür braucht es Ressourcen, Prozesse und klare Verantwortlichkeiten. Ein M&A-Prozess funktioniert nicht ohne jemanden, der das Thema intern wirklich treibt und sich je nach Kapazität und Erfahrung in bestimmten Themen externe Unterstützung holt.
Emporion: Wo scheitern Unternehmen am häufigsten?
Klaus: Oft an genau diesem Punkt. Die Strategie ist häufig gar nicht das Problem, sondern fehlende Strukturen oder fehlende Management-Aufmerksamkeit. Viele unterschätzen, wie viel Abstimmung, Koordination und Nachbereitung nötig ist, gerade auch nach einer Transaktion.
Emporion: Und was macht aus deiner Sicht den Unterschied bei erfolgreichen Projekten?
Klaus: Vertrauen. Gerade bei inhabergeführten Unternehmen geht es nicht nur um Zahlen. Wenn ein Unternehmer im Zielunternehmen irgendwann das Gefühl bekommt, unfair behandelt zu werden oder an der Angel zu hängen, kippt ein Prozess schnell. Deshalb ist Empathie und Ehrlichkeit auch mit dem verkaufenden Unternehmer extrem wichtig.
Emporion: Was schätzt du an Emporion besonders?
Klaus: Dass der Fokus auf strategische Zukäufe für Familienunternehmen über die Jahre gleich geblieben ist. Natürlich sind Prozesse professioneller geworden, die Tools besser, die Datenbasis breiter. Aber die Grundidee war eigentlich von Anfang an da: Emporion arbeitet nicht einfach Prozesse ab, sondern beschäftigt sich wirklich tief mit Unternehmen und Märkten.
Emporion: Wenn du heute einem jungen Berater einen Tipp geben müsstest, welcher wäre das?
Klaus: Junge M&A-Berater sind häufig darauf fokussiert, möglichst viele, möglichst große Deals abschließen zu können, und planen sehr schnell den nächsten Karriereschritt. Gerade im Buy-Side-Geschäft funktioniert vieles über enge Beziehungen und Vertrauen zwischen Kunden und Berater. Das baust du nicht in einem Jahr auf. Man sollte eine gewisse Freude daran haben, sich langfristig in Themen festzubeißen, in Märkte und Strategiethemen auf oberster Führungsebene tief einzusteigen. Dann wird man den Beraterjob auf der Buy-Side als erheblich sinnstiftender und erfüllender empfinden.
Emporion: Und was kommt als Nächstes? Beruflich oder privat?
Klaus: Privat irgendwann hoffentlich die fertige Scheune. Beruflich plane ich ehrlich gesagt gar nicht so viel voraus. Viele Dinge in meinem Leben sind einfach entstanden. Und solange mir die Themen Spaß machen, mache ich weiter.
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