Im Gespräch mit Michael Hildinger
Warum M&A auf die Agenda jedes Unternehmens gehört...
Michael Hildinger weiß aus mehr als 20 Jahren Praxis: Strategische Zukäufe sind kein Privileg börsennotierter Unternehmen. Mittelständler stehen vor denselben Wachstumsfragen wie Großunternehmen, nur mit einem Bruchteil der Ressourcen. Im Interview spricht unser neuer Director M&A darüber, warum organisches Wachstum allein heutzutage oft nicht ausreicht, was ihn von Harting zu Emporion geführt hat und warum M&A vor allem eines ist: Erfahrungssache.
Emporion: Michael, herzlich willkommen als neuer Director M&A bei Emporion! Nun hast du deine ersten Tage in Heidelberg hinter dir. Du bist ja Wochenendpendler und wohnst eigentlich in Bayern, richtig?

Michael: Wir, das heißt meine Frau und meine beiden Kinder, 8 und 10 Jahre alt, wohnen in Mittelfranken. Das gehört natürlich zu Bayern. Der Unterschied zwischen Bayern und Franken ist allerdings so ähnlich wie der Unterschied zwischen Baden und Schwaben. Gebürtig bin ich aus Baden-Württemberg, genau genommen aus Pforzheim. Mein Lebensmittelpunkt ist aber seit mehr als 30 Jahren in Franken, zunächst durch das Studium in Nürnberg, dann durch die Arbeit in Herzogenaurach. Meine Frau ist gebürtige Fränkin.

Emporion: Wie klappt das denn mit der Familie und dem Pendeln?

Michael: Das ist für uns fast schon ein bewährtes Modell. Bevor ich bei Emporion angefangen habe, bin ich zwischen Nordrhein-Westfalen und Franken gependelt. Dagegen sind die 220 Kilometer nach Heidelberg ein echter Katzensprung.

Emporion: Du hast zuletzt in Westfalen bei der Harting Technologiegruppe den Bereich Corporate Strategy & Communication geleitet, einem führenden Technologieunternehmen im Bereich innovativer Steckverbindungen. Es zieht sich als roter Faden durch deinen Lebenslauf, Hersteller komplexer technologischer Produkte strategisch weiterzuentwickeln?

Michael: Ja, das stimmt. Ich habe die letzten 20 Jahre ausschließlich für Familienunternehmen gearbeitet, im Bereich Corporate Strategy, und dazu gehört natürlich auch M&A. Ich habe dabei Erfahrung in sehr unterschiedlichen Branchen gesammelt und sowohl kleinere als auch größere internationale Transaktionen begleitet. Anorganisches Wachstum kann sehr unterschiedliche Gründe haben. Für Unternehmensstrategen stehen dabei immer verschiedene Grundfragen im Raum: Was ist das Ziel einer Transaktion und gibt es alternative Möglichkeiten das Ziel zu erreichen? Aber auch potenzielle Gefahren für das bestehende Geschäftsmodell sind relevant! So habe ich bei Schaeffler bereits 2005 ein Positionspapier zum Thema E-Mobilität und die Auswirkungen auf das Geschäft von Schaeffler verfasst. Dieser und andere Impulse haben letztlich zur Gründung des Systemhauses E-Mobility – einem eigenen Geschäftsbereich – beigetragen.

Emporion: Du warst fast 11 Jahre bei der Schaeffler AG. Bist du damit im Grunde ein echter Experte für die Automotive-Branche? Die Branche steht ja vor enormen Herausforderungen.

Michael: Sicherlich, der Automotive-Bereich ist bei Schaeffler traditionell das Kerngeschäft, deshalb habe ich dort natürlich tiefes strategisches Wissen aufgebaut. Aber viele wissen nicht, dass Schaeffler schon damals mehr als 3 Milliarden Euro Umsatz im Industriebereich hatte. In Flugzeugtriebwerken, in Baumaschinen, sogar in Hundeleinen stecken Schaeffler-Lager. Ich habe dadurch eine sehr breite Branchenerfahrung aufgebaut: Werkzeugmaschinen, Bahnindustrie, Aerospace, Produktionsanlagen. Gar nicht so automotive-exklusiv, wie man vermuten würde.

Die Branche ist im Umbruch. Natürlich durch das Thema E-Mobilität, aber nicht nur. Ein Auto ist heute in erster Linie ein Computer mit Riesendisplay; da sind ganz andere Kompetenzen gefordert als noch vor zehn Jahren. Automobilzulieferer stehen vor besonderen Herausforderungen, die sie verstärkt auf andere Industrien blicken lassen, denn ein Elektromotor hat deutlich weniger Bauteile als ein Verbrenner. Die große Frage für Zulieferer lautet daher: Was sind meine Kernkompetenzen, und wo lassen diese sich in anderen Branchen einsetzen? Durch die enormen Qualitäts- und Präzisionsansprüche im Automobilbereich ergeben sich tatsächlich gute Expansionschancen in anspruchsvolle Industriezweige wie Medizintechnik, Pharmaindustrie oder Luftfahrt.

Emporion: Dann erwarteten dich bei deiner Station bei der Hengst SE vermutlich ganz ähnliche Herausforderungen?

Michael: Ja, das stimmt. Gänzlich andere Produkte, aber vergleichbare Herausforderungen. Wenn aufgrund neuer Technologien ein Teil des Geschäfts wegzubrechen droht, dann braucht es zukunftsfähige Alternativen. Dort war meine Aufgabe explizit, ein industrielles Filtrations-Portfolio aufzubauen. Intern gab es kaum Ansprechpartner für neue Bereiche wie Luft- oder Hydraulikfiltration; das musste ich mir selbst erschließen, durch eigene Marktanalysen und Gespräche mit Experten.

Strategische Zukäufe sind kein Privileg von Großkonzernen. Mittelständische Unternehmen stehen vor denselben Herausforderungen und müssen proaktiv über M&A nachdenken.

Michael Hildinger, Director M&A bei Emporion
Emporion: Diese neuen Geschäftsbereiche sind vermutlich auch immer mit dem Thema Zukauf von Know-how, also M&A, verknüpft?

Michael: Absolut. Organisches Wachstum dauert zu lange, wenn sich Märkte schnell verändern. Die Time-to-Market ist ein kritischer Faktor. Deshalb werden Kompetenzen zugekauft statt aufgebaut, sei es Technologie, Produktions-Know-how oder geografische Präsenz. Hieraus ergab sich für mich also immer wieder die Notwendigkeit, mich in neue Märkte und Technologien einzufinden.

Emporion: Das bringt uns zu Emporions Kernkompetenz, der Begleitung strategischer Zukaufprozesse. Was ist aus deiner Sicht das Entscheidende bei M&A-Transaktionen?

Michael: Es ist immer wichtig zu verstehen, welches Ziel mit einer Transaktion verfolgt wird und wie man dieses Ziel erreicht. Gerade in Familienunternehmen gibt es oft Wünsche und Erwartungen, die man kennen und einordnen muss. Besonders wenn man nicht über strukturierte Bieterprozesse geht, sondern Unternehmen direkt und proaktiv anspricht, braucht man ein gutes Gespür für Markt, Mensch und Timing. Eines habe ich im Rahmen meiner vielen M&A-Projekte gelernt: M&A ist etwas, das man nicht wirklich an der Universität lernen kann. Man lernt es in der Praxis. Es gibt zwar wiederkehrende Bestandteile, aber jede Transaktion hat ihre Besonderheiten.

Emporion: Was unterscheidet Emporions Ansatz aus deiner Sicht von klassischen M&A-Beratern?

Michael: Der entscheidende Unterschied ist, dass Emporion im Hintergrund einen strategischen Investor hat und damit aus der Perspektive des Käufers denkt, nicht als reiner Transaktionsvermittler. Das ermöglicht einen tieferen Einblick in die strategische Logik hinter einem Kauf und erlaubt die proaktive Direktansprache von Targets, statt nur auf das zu reagieren, was gerade zum Verkauf steht.

Emporion: Du unterscheidest zwischen strukturierten Verkaufsprozessen und der direkten Ansprache. Was ist hier deine Erfahrung?

Michael: In einem strukturierten Prozess bist du einer von vielen Bietern. Du zahlst tendenziell mehr, und du kaufst manchmal Unternehmen, die nicht zu hundert Prozent passen: kulturell, strategisch, geografisch oder technologisch. Man kauft etwas, weil es verfügbar ist, nicht weil es wirklich zu den strategischen Zielen passt. Bei der direkten Ansprache scannt man den Markt gezielt, entwickelt ein strategisches Suchfeld und spricht Unternehmen aktiv an. Das ist aufwändiger, aber es führt zu besseren Ergebnissen.

Emporion: Für uns ist es ein echter Gewinn, dich für die Beraterseite gewonnen zu haben. Du bringst einen einzigartigen Einblick aus Kundensicht mit. Was versprichst du dir von deiner Rolle?

Michael: Ich hoffe, einen maßgeblichen Beitrag zum weiteren Erfolg von Emporion leisten zu können. Es fällt mir natürlich leicht, Emporions Dienstleistung aus der Sicht des Auftraggebers zu sehen, denn ich habe selbst mit vielen Beratungen zusammengearbeitet. In-house-M&A-Kapazitäten sind im Mittelstand noch immer begrenzt, sodass ohne externen Support häufig der Weg über strukturierte Verkaufsprozesse gewählt wird. Das Zusammenspiel aus tiefgründiger Strategieberatung und hochprofessioneller Transaktionsbegleitung, welche Emporion bietet, ist in dieser Form einzigartig und für mittelständische Familienunternehmen von echtem Mehrwert.

Emporion: Wenn du einem CEO im industriellen Mittelstand einen Rat zum Thema M&A geben würdest, was wäre das?

Michael: Die Themen, die den deutschen Mittelstand beschäftigen, sind dieselben wie bei Großkonzernen, nur müssen sie mit erheblich weniger Ressourcen gelöst werden. Erfahrene Beratung, die durch den gesamten Prozess begleitet, ermöglicht auch hier erfolgreiche Transaktionen. Dieser Prozess beginnt als Strategieprozess und nicht als reine Deal-Ausführung. Gerade wenn Unternehmen keine umfangreichen internen M&A-Kapazitäten haben, braucht es jemanden, der entsprechende Erfahrungen hat.

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